da NDR Fernsehen: Tomatenernte: Schuften für einen Cent pro Kilo

NDR Fernsehen Sendedatum: 05.08.2013

Tomatenernte: Schuften für

einen Cent pro Kilo

Wieso wird so schlecht gezahlt?

Bis zu 50.000 Wanderarbeiter sollen jedes Jahr zur Tomatenernte nach Italien kommen, schätzt die Gewerkschaft, viele von ihnen ohne gültige Papiere. Der überwiegende Teil der Ernte aus der Region bei Foggia gehe als Tomatenmark oder -pulpe (passiertes Fruchtfleisch) ins Ausland, auch nach Deutschland, erklären uns die Gewerkschafter. Wo die Lieferungen in Deutschland genau landen, wüssten sie nicht. Bei den vielen Zwischenhändlern könne das niemand sagen.

Daniele Calamita, Mitarbeiter der italienischen Gewerkschaft FLAI CGIL © NDR/Pier 53 Detailansicht des Bildes Der Gewerkschafter Daniele Calamita unterstützt die Erntehelfer auf den Tomatenfeldern. Es sei ein Teufelskreis, meint Daniele Calamita: “Die Landwirte zahlen den Arbeitern wenig Geld, weil sie selbst nur niedrige Preise bekommen. Und die Industrie sagt, dass sie von den großen Handelsketten abhängt.” Diese Abhängigkeit führe dazu, dass keine qualitativ hochwertigen Produkte mehr hergestellt werden könnten, erklärt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur von Öko-Test. Für “praktisch null Geld” müsse man “Massenprodukte herstellen”. “Mit normaler oder auch guter Bezahlung funktioniert das Ganze nicht mehr”, sagt der Verbraucherschützer.

Was sagen die Hersteller?

Für ihre Dokumentation haben die Autoren Hauke Wendler und Carsten Rau bei zwölf deutschen Herstellern und Discountern nachgefragt, ob Tomatenpulpe aus Italien auch für deutsche Pizzen verwendet wird. Mit den Zuständen auf Italiens Tomatenfeldern konfrontiert, verweisen fast alle Hersteller auf Verträge mit ihren Zulieferern, die Ausbeutung verbieten würden. Auf die Frage, welche unabhängige Kommission vor Ort deren Umsetzung überwache, hatte kein Pizza-Produzent eine plausible Antwort.

Auch wir Verbraucher sind verantwortlich

Nur: Gilt das für alle Produzenten? Oder landen nicht doch Tomaten, die von Wanderarbeitern gepflückt werden, auf deutschen Tiefkühlpizzen? Auch die anderen angefragten Hersteller und Discounter verweisen auf den Einsatz von Erntemaschinen. Und alle schreiben, ihre Zulieferer hätten Verträge unterzeichnet, die Ausbeutung verbieten würden. Doch eine unabhängige Kommission, die die Vorgaben überwacht, gibt es nicht.

Tatsache ist, dass in Italien, nach Schätzungen der dortigen Gewerkschafter, 50.000 Wanderarbeiter Tomaten pflücken, auch für den deutschen Markt. Und nicht nur dort: Beispielsweise auch in den riesigen Gemüseanbaugebieten Spaniens leben viele Tagelöhner aus Afrika und Osteuropa ebenfalls in Slums.

Für unsere Schnäppchen schuften andere Menschen unter elenden Arbeits- und Lebensbedingungen. Denn bislang gewinnen die Mini-Preise am Ende immer. Wir alle sollten daran denken: Gutes Essen hat zwar seinen Preis – billiges aber auch.

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